Stammesfahrt Sommer 2018

Strahlend blauer Himmel, Ruhe nach dem Sturm. Die Sonne scheint auf das, vom Regen noch etwas nasse, Oberdeck unserer schönen Vriendentrouw. Über die Kraft des Windes staunend stehe ich da und schaue über das weite, tiefblaue Meer. Irgendwo in der Ferne ist die nächste Boje zu erahnen, das nächste Ziel, auf das wir zusteuern.

Bei dem Gedanken an den letzten Sommer muss ich lächeln. Was gibt es auch besseres als hügellose Landschaften, Windmühlen, offene, lockere Menschen und ein Meer voll mit Sandbänken und schönen Inseln? Zugegeben, mit so einer perfekten Truppe wäre wahrscheinlich selbst der langweiligste Ort dieser Welt Zeuge eines Abenteuers geworden- um so besser ist es, wenn man ein so schönes Ziel hat, wie wir es hatten: unser wunderbares Nachbarland, die Niederlande. 10 Tage lang erforschten wir die Gegend rund um Stavoren, sammelten neue Erfahrungen und hatten eine tolle Zeit miteinander.

Am 25.07.18 ging es los. Wir trafen uns am Immenhäuser Bahnhof, und nachdem der Proviant verstaut und alle verabschiedet waren, stiegen wir in die Bahn. Nach einigen Stunden Fahrt, ein paar Umstiegen und damit verbundenen Kekspausen, änderte sich die Stimme des Durchsagensprechers- wir hatten nun die Grenze überschritten und befanden uns auf niederländischem Boden. In Meppel teilte sich schließlich unsere Gruppe. Während die „Älteren“, bestehend aus Sippe Yvain, ausstiegen, fuhren wir, Sippe Percy, weiter bis nach Harlingen. Von diesen beiden Orten aus wanderten beide Gruppen los, die geplanten Routen entlang, die uns alle nach Stavoren führen sollten, wo wir 5 Tage später alle wieder vereint sein sollten, um unsere gemeinsame Segeltour zu starten.

Unsere Route ging am Meer entlang. Also suchten wir, als wir in Harlingen am Bahnhof ausgestiegen waren, zuerst einmal den Weg dorthin. Als der Deich in Sicht war, konnten wir es kaum erwarten, endlich einen Blick auf das dahinterliegende Blau zu werfen. Oben angekommen sahen wir, neben dem weiten, weiten Meer, kleine Sandstrände und Wiesen, auf denen einige Menschen lagen, die sich offensichtlich gerade noch in den Wellen gewogen hatten und nun dabei waren sich von den Sonnenstrahlen aufwärmen zu lassen. Es war ein herrlicher Tag und wir beschlossen, nach der langen Fahrt erst einmal ein Stück zu wandern, um unser Tagesziel zu erreichen.

Die ersten zwei Tage waren besonders anstrengend. Auch wenn wir keine langen Strecken wanderten, musste sich der Körper ja schließlich erst einmal an das Gewicht auf seinem Rücken gewöhnen. Hinzu kam, dass es doch schon ziemlich warm war, und es dauerte nicht lange, bis wir uns alle nach einem Tag am Strand sehnten. Oder zumindest nach einem Halben. Wir hatten uns jedoch inzwischen vom Meer entfernt, und unsere erste Nacht auf einer Wiese bei einem netten Bauern verbracht. Also dauerte es ein bisschen, bis wir den Strand erreicht hatten. Aber die Mühe lohnte sich. Er erwies sich als sehr schön und so beschlossen wir, dort die Nacht zu verbringen.

Während wir es alles recht gemütlich angingen ließen und damit völlig zufrieden waren, hatte Sippe Yvain schon unzählige Kilometer auf dem Buckel und mindestens genauso viele Blasen an den Füßen. Wie es scheint, litten sie regelrecht unter einem Wanderwahn- circa 20 Kilometer pro Tag, und das vollkommen ungezwungen. Respekt. Aber auch sie machten viele, lange Pausen.

Uns hatte jedenfalls der Strandaufenthalt ziemlich gut getan. Und vor allem hatte er es uns ermöglicht, neue Kraft zu tanken. Von nun an sahen wir hauptsächlich schöne Dörfer und schnuckelige Häfen, genossen Land und Leute und das super Wetter. Bis auf ein/zwei halbe Regentage und einer Gewitternacht war das Wetter eigentlich immer super. Deshalb verbrachten wir, vor allem in der Mittagshitze, viel Zeit damit, holländische Spezialitäten zu probieren und zwei mal wurden wir sogar von gastfreundlichen Dorfbewohnern mit Eis versorgt. Die Zeit verging im Flug und ehe wir uns versahen, hatten wir nach 5 Tagen Stavoren erreicht, wo der zweite Teil unseres Abenteuers beginnen sollte.

In Stavoren angekommen wartete direkt die erste positive Begegnung auf uns. Wir wussten nicht genau, wo der Campingplatz, zu dem wir mussten, war, also fragten wir ein Bisschen herum. Ein Mann, der offensichtlich Touristenrundfahrten auf seinem Boot anbot, schlug uns vor, uns schnell dort hinzufahren. Ein super nettes Angebot, was wir dankend annahmen. Kurze Zeit später waren wir angekommen. Laura und Sophie, die nachgekommen waren und schon eine Nacht auf dem Campingplatz verbracht hatten, empfingen uns mit guter Laune. Auch Sippe Yvain war schon da, wir waren also wieder komplett. Wir hatten alle viel erlebt und so gab es auch einiges zu erzählen.

Der nächste Morgen erwartete uns und wir waren alle sehr gespannt auf die Tage, die folgen sollten. Zum Aufbruch vorbereitet, frühstückten wir noch eben und verließen dann den Campingplatz. Unser nächstes Ziel war der Hafen, an dem unser Segelschiff namens Vriendentrouw bereit lag. Wir lernten Siebe und Theis kennen, die beiden begleiteten uns die nächsten Tage als Skipper und Matrose. Sie erwiesen sich alle als super sympathisch- Siebe und Theis und das gute alte Schiff, was unser Fortbewegungsmittel, aber auch unser Zelt für die kommende Zeit darstellte. Die Kajüten unter Deck und der große Gemeinschaftsraum mit einer Küche waren super gemütlich eingerichtet und zu meinem Erstaunen gar nicht mal so eng. Siebe wies uns kurz ein, erklärte uns die wichtigsten Dinge und dann konnte es endlich los gehen.

Was folgte, war für die meisten von uns super spannend und neu. Auf einem Schiff zu leben, mit anzupacken und Teil eines Teams zu sein, war eine unheimlich bereichernde Erfahrung. Wir segelten, badeten und kochten gemeinsam. Wir ließen uns Trocken laufen, um auf dem Meeresboden im Watt spazieren zu gehen. Wir beobachteten die Robben auf den Sandbänken, die uns teilweise sogar neugierig hinterherschwammen. Wir verbrachten einen Tag auf der kleinen Insel Vlieland, saßen am Abend gemeinsam mit herzlichen Menschen am Lagerfeuer und sangen. Wir hörten die Wellen, sahen die Lichter in der Ferne, bei Mondschein und wolkenklarer Nacht. Auf dem Meer verging die Zeit noch schneller, als auf dem Land. Sie schien scheinbar davon zu schwimmen. Zwischen all den warmen Sonnenstrahlen und dem kühlen Meer verbreitete sich eine wunderbare Zufriedenheit. Um so mehr war es zu bedauern, als das Ende dieser wunderbaren Fahrt näher rückte. Aber es ließ sich nicht vermeiden und so kam der Tag an dem wir uns verabschieden und erneut aufbrechen mussten. Wir verließen unser Zelt, das Schiff, um die letzte Nacht auf niederländischem Boden, auf dem vertrauten Campingplatz in Stavoren zu verbringen.

Kaum hatten wir uns dort niedergelassen, mussten wir schon wieder fort. In Richtung Heimat. Die Rückfahrt verlief gut- bis wir in Deutschland waren. Knapp vor dem Ziel gab es Probleme irgendwo auf den Gleisen, weshalb kein Zug mehr in die Richtung fuhr, in die wir mussten. Also warteten wir. Irgendwann ging es weiter, und mit einer ziemlichen Verspätung von etwa drei Stunden kamen wir dort an, wo es begonnen hatte: am Immenhäuser Bahnhof. Wir waren erschöpft und voller neuer Erinnerungen und wurden von zahlreichen Eltern erleichtert empfangen.

Und so schnell geht das. So schnell verliert man einen Teil seines Herzens an die Erinnerung eines neuen Abenteuers.

Gut Pfad

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